LKW mit Oberleitung auf dem eHighway – so funktioniert es

Der eHighway wird getestet. Nach den ersten Kilometer mit Hybrid-LKW, welche an einer Oberleitung angeschlossen sind, sind bereits erste Ergebnisse mit einer Kraftstoffersparnis von ca. 10% zu verzeichnen.

Auf mehreren Autobahnabschnitten wird in Deutschland der „Oberleitungs-LKW“ auf dem „eHighway“ getestet. Hierzu gehört auch eine Strecke auf der A5 in der Nähe des Frankfurters Flughafen, welche seit Kurzem von Scania LKW mit Anschluss an die neuen Oberleitungen befahren wird.

„Fahrzeugelektrifizierung entwickelt sich rasant“

Der schwedische Nutzfahrzeughersteller Scania ist der Ansicht, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis der Wendepunkt erreicht ist, an dem sich die Elektrifizierung des Güterverkehrs zu einer rentablen Investition für Verkehrsbetriebe entwickeln wird.

Doch wie funktioniert der eHighway?

1. Der Fahrer fährt auf die elektrifizierte Fahrspur auf.

Ein Sensor erkennt, ob die Fahrspur mit einer elektrischen Fahrleitung ausgestattet ist. Bis jetzt ist der Lkw mit Verbrennungsmotor gefahren. Nun fährt der Fahrer den Pantograf aus.

2. Der Fahrer baut eine Verbindung zur Oberleitung auf.

Sobald diese Verbindung zustande gekommen ist, überträgt der Pantograf die Energie der Oberleitung direkt an den Elektromotor und lädt gleichzeitig die Batterie auf. Während des Bremsvorgangs wird der Energiefluss umgekehrt, wodurch Strom erzeugt wird, der die Fahrzeugbatterie auflädt (Rekuperation).

3. Beim Überholen wird die Verbindung getrennt.

Während des Überholens oder wenn der Lkw am Ende einer elektrifizierten Strecke angekommen ist, wird der Pantograf wieder eingefahren. Der Elektromotor läuft so lange wie möglich noch mit Batteriestrom weiter. Nach dem Überholmanöver kann der Fahrer wieder auf den elektrifizierten Fahrstreifen zurückkehren.

Spezielle Scania für den eHighway

Technische Daten zu den eingesetzten Fahrzeugen SCANIA R450 Hybrid (in Schweden auch EL-LEON genannt):

– Hybridantrieb: Li-ion Batterie (18,5kWh – nutzbare Energie 7,4kWH)
– Elektro-Motor: 130 kW (177 PS), 1.050 Nm
– Reichweite im reinen Batteriemodus: ca. 10 bis 15 km
– Zusätzliche Eigenschaften: Power Boost Modus (zur Unterstützung des Diesel-Motors z. B. beim Anfahren), Rekuperation, Start/Stopp
– Dieselmotor: 450 PS, 13-Liter-Motor, Reihensechszylinder
– Scania Opticruise (automatisiertes Getriebe)

Über die Oberleitung des eHighway bekommt das Fahrzeug 700Volt.

Ausscheren auf dem eHighway? – kein Problem

Eine Anzeige in der Armatur zeigt dem Kraftfahrer/in, ob er/sie im Bereich der Teststrecke auf der richtigen Spur fährt. Denn nur dann kann der Stromabnehmer, der von Siemens entwickelte Pantograf, ausgefahren werden und Kontakt aufnehmen. Viel Spielraum hat der Kraftfahrer/in nach rechts oder links nicht, denn das System funktioniert nur in einer optimalen Position. Das Ausscheren aus dem eHighway ist kein Problem, denn wenn der Kraftfahrer/in den Blinker setzt, fährt der Pantograf automatisch runter und der Überholvorgang kann beginnen.

Hier wird getestet

In Deutschland gibt es zur Zeit drei Teststrecken. Diese sind:

  • A5 bis zum Cargocenter am Frankfurter Flughafen
  • A1 bei Reinfeld
  • B462 bei Rastatt mit Ortsdurchfahrt

Kosten in Hessen

Das Projekt in Hessen ist bis 2022 angelegt und kostete bisher ca. 15 Millionen Euro und wird nochmals ca. 15 Millionen Euro für die Datensammlung und -auswertungen bis 2022 kosten.

Bilder: Scania – Fotografie-Schepp Text: Achim Daniels – #nextDrive.de