Wie fast jeden Morgen stehe ich vor meinem Kühlschrank und versuche mich zu entscheiden. Einen Joghurt zum Frühstück? Oder Quark mit einer Banane? Oder doch lieber ein deftiges Brot mit Butter und Käse? Dazu ein großes Glas Milch? Oder doch besser einen Kaffee mit Milch? Doch heute ist es irgendwie anders. Ich habe immer noch die Worte der Menschen im Kopf die ich gestern kennenlernen durfte. „Wir sind doch in der Gesellschaft ganz unten angesiedelt!“,“ Wir fahren 365 Tage im Jahr inkl. Weihnachten und so!“, „Wir bekommen täglich 2,8 Millionen Liter Milch angeliefert!“, und diese Worte haben mich sehr nachdenklich gemacht!
Auf geht´s
Es ist halb fünf. Eigentlich keine Zeit für mich, denn dies ist für mich noch mitten in der Nacht. Doch heute hat mich mein Schwager Micha auf eine seiner Milchtouren eingeladen. Micha lebt in der Oberpfalz / Bayerischer Wald und fährt mit über 50 Kollegen täglich Milch von den Höfen in der Region abholen. Und hier bin ich mal auf den LKW gespannt und freuen mich mal etwas anderes als Fernverkehr und Verteilerverkehr kennen zu lernen. Denn, fragt man jemanden nach einem „LKW-Fahrer/in“, so kommt in den meisten Fällen der Fernverkehr auf den Tisch. Doch dass es noch so viele andere LKW und Tätigkeiten um den LKW und mit dem LKW gibt, haben die meisten nicht auf dem Schirm. Und so freue ich so richtig, mal etwas Neues zu sehen!
Das Fahrzeug
In einer Halle steht ein fast neuer Vierachser Volvo FM 500 mit einem großen Edelstahl Tank und jede Menge Pumpenleistung. Die Vorbereitungen sind recht schnell erledigt und es geht schon auf die Tour zum ersten „Milchbauern“, so wurden die Landwirte mit Viehhaltung mir vorgestellt. Erst einmal in Richtung Passau und dann über viele Dörfer und manches Mal auch über recht kleine / enge Straßen. Doch mit dem Volvo geht es sehr gut. Angekommen in einem Dorf, sehe ich auch schon den ersten Hof. Ein freundlicher Bauer winkt uns zu und wir fahren seitlich an eine kleine Doppeltüre ran. Hinter dieser Doppeltüre befindet sich die Übergabestelle der Milch. Micha schließt den Schlauch von unserem LKW an diese an, und bedient an seinem Fahrzeug einen Computer der einiges drauf hat. So werden anhand von Tournummer und GPS Daten die Abholung dokumentiert. Temperatur der Milch, Vorangabe der zu erwartenden Liter und und und. Zusätzlich entnimmt das System automatisch eine kleine Probe der Milch, um diese später in der Molkerei prüfen zu können. Der Vorgang dauert auch nicht so lange, denn hier sind es „nur“ ca. 2.800 Liter frischer Milch!
Unser Edelstahl Tank hat vier Kammern. Drei mal 6.000l und einmal 7.000l. So dass das Fahrzeug zusammen gute 25.000l fassen könnte, ist aber in Deutschland durch unsere maximalen Achslasten für einen Vierachser nicht machbar! Und so werden es halt ca. 20.000l. Bei unsern sieben Abholstationen werden es später dann ca. 19.500l frischer Milch sein. Es gibt aber auch Touren wo größere Tanks mit Zugmaschienen gefahren werden. Hier geht dann schon ein wenig mehr rein. Und dies ist auch nötig, da es Abholstation mit wesentlich mehr Litern gibt. Und so ist der Fuhrpark von der Spedition B&B Transport recht bunt gemischt! Auch gibt es wie in den Bildern zu sehen ist, besondere Anhänger wie den Mini Edelstahl Tank Anhänger. Hab ich noch nicht gesehen.
Unterwegs
Auf der Fahrt zum nächsten Hof erklärt mir mein Schwager Micha, wie man am besten mit den kleinen Straßen und den Hofdurchfahrten zurecht kommt. Um wirklich sicher durch diese Stellen zu kommen ist maximale Rücksicht und Vorsicht angesagt. Oft gibt es Kinder auf den Höfen und auch sonst ist man langsamer einfach besser unterwegs. Dies finden die Bewohner der kleinen Dörfer auch gut und winken uns zu. Eben miteinander!
Beim nächsten Hof angekommen, ist leider niemand zu sehen! Die Stallungen sind aber auch recht groß und da kann der Bauer / Landwirt überall sein. Das Abpumpen geht auch hier recht schnell und es kann auch schon wieder weitergehen. So fahren wir in der Region durch die schönsten Landschaften und ich genieße es einfach die Region mal auf einer ganz anderen Art kennen zu lernen.
Der Tank
Unser Edelstahl Tank ist, im Gegensatz zum Fahrzeug, schon etwas älter. Da der Aufbau eines solchen Tanks recht aufwendig ist, werden die Tanks vom alten Fahrzeug abgehoben und kommen dann nach einer gründlichen Modernisierung auf das neue Fahrzeug drauf. Nach etwa drei Wochen ist dann das neue Milchfahrzeug fertig! Ein Neubau würde wesentlich länger dauern. Und da die Tanks und Pumpen sehr stabil aufgebaut sind, halten die auch länger als ein Fahrzeug!
So ziehen wir von Hof zu Hof und sammeln so unsere Milch ein. In Gedanken sehe ich schon den Käse und die Butter, das Glas Milch und freue mich auch schon auf das nächste Frühstück, Abendbrot oder einfach mal so!
Auf dem Hof
An einer Abholstation sehen wir den Bauern und der kommt auch gerne mal für eine kleines Gespräch zu uns. Kundenkontakt ist auch hier sehr wichtig, und so werde ich gefragt, ob ich ein neuen Fahrer sei. Als ich dann erzählte, dass ich mal über den Milchfahrer schreiben möchte, kommt es aus dem Bauern heraus. Und so bekomme ich Worte und Sätze zu hören, die mich recht nachdenklich stimmen. Mir wird gesagt, dass es nicht leicht sei. 365 Tage sind die Bauern für Ihre Tiere da, keinen Feiertag nie Urlaub, und dies viele viele Jahre, und doch wird man als „Milch Bauer“ dann immer wieder von der Gesellschaft angegangen. In unserm Gespräch fallen dann die Themen Tierschutz und Stand in der Gesellschaft, aber auch Anforderungen der EU und der Behörden. Recht schwierige Themen. Doch wie war dass? 365 Tage im Stall? Und wie sieht es mit den Abholungen der Milch aus? Und so erfahre ich vom Schwager Micha, das auch die Abholungen rund laufen. Also 365 Tage und dies von früh bis spät! Manche LKW werden nicht mal kalt, da der nächste Fahrer kommt und weiterfährt!
BKF Aus- und Weiterbildung
Das Unternehmen B&B Transport ist mit über 50 Kraftfahrer/innen täglich für die Milchabholung unterwegs. Die BKF Aus- und Weiterbildung, welche durch meinen Schwager Micha durchgeführt wird, macht das Unternehmen selbst und hat mit dem B&B Bildungszentrum nicht nur für die eigenen Kraftfahrer/innen, sondern auch für weitere Kraftfahrer/innen, eine Möglichkeit geschaffen die Modulschulungen bei B&B zu machen. Hier fließen Erfahrung und Wissen von Neuigkeiten / neuen Gesetze ein, was die BKF Aus- und Weiterbildung natürlicher und praxisorientierter macht! So wird aber auch der eigene Nachwuchs ausgebildet, inkl. Beschleunigte Grundqualifikation und Führerschein.
Nach dem letzten Hof fahren wir zur Molkerei. Ich werde langsam nachdenklicher und sehen mein Frühstück schon etwas differenzierter. Freue mich noch drauf, aber der einfache Griff ins Kühlregal im Supermarkt wird wohl etwas genauer und mit wesentlich mehr Respekt vor all diesen Menschen und natürlich auch den Kühen sein.
In der Molkerei
In der Molkerei angekommen, geht es dann mit den Proben der einzelnen Abholstationen zum Labor, wo diese getestet werden. Hier entscheidet sich, ob abgepumpt werden darf oder nicht! Ist alles, auch die Temperatur der Milch, okay, dann geht es zum Abpumpen! Nach dem Abpumpen wird der Edelstahl Tank aufwendig gespült, was etwas länger als eine halbe Stunde in Anspruch nimmt. In dieser Zeit spreche ich mit einer jungen Dame der Molkerei. Hier erfahre ich, dass an einem Tag ca. 2,8 Millionen Liter Milch angeliefert werden. Täglich!!! Also 365 Tage im Jahr. Und wenn der Neubau fertig ist soll es sogar auf über 3 Millionen Liter hoch gehen. Für mich unvorstellbar! Doch Milch wird nicht nur zur Mich verarbeitet, sondern in so vielen Produkten steckt Milch drin!
Die private Molkerei Bechtel verarbeitet mit über 1.000 Mitarbeitern/innen die angelieferte Milch zu Milch, Käse, Quark, Frischkäse, Joghurts und so vielem mehr. Die Produkte kommen dann über Lidl in ganz Europa in den Verkauf. Aber nicht nur in der EU kann man diese Produkte kaufen, sondern über Lidl Filialen auch in den USA. Und so kommt die gesammelte Milch aus Bayern als Käse verarbeitet in die USA. Wer hätte dies gedacht!
Nachdem nun der Tank gereinigt und gespült wurde, das Fahrzeug in der Zeit gepflegt wurde, geht es wieder zurück zu B&B Transport, wo dann ein frischer Kraftfahrer/in das Fahrzeug nach kurzer Standzeit übernimmt, und wieder Milch bei den Höfen abholt und wieder zur Molkerei bringt. Damit wir alle weiterhin unser Frühstück, Abendbrot etc. genießen können. Sogar in den USA!
Bilder und Text – Achim Daniels #nextDrive.de
DANKE an Michael Rettinger B&B Transport – Molkerei Bechtel – die Milch Bauer – und vor allem DANKE an die Mädels (Kühe) für die gute frische Milch!













