Einen Actros L mit Wasserstoff-Verbrennermotor wird von Daimler Truck und der Münchener Firma KEYOU zusammen entwickelt und dann über KEYOU auf den Markt gebracht.

„Wir haben auf unseren letzten nextDrive DAYS 2026 schon das Thema Wasserstoff-Verbrennermotor angesprochen und ausgiebig erläutert. Hier habe ich den Ausbildern/innen schon die ersten Informationen zum KEYOU Actros 2027 geben können. Heute verkündet Daimler Truck die Zusammenarbeit mit KEYOU, was mich persönlich sehr freut!“, so Achim Daniels von nextDrive.de.

„Der Straßengüterverkehr braucht unterschiedliche Antriebslösungen für unterschiedliche Einsatzprofile. Wasserstoff kann dabei sowohl in der Brennstoffzelle als auch im Verbrennungsmotor eingesetzt werden. Mit KEYOU arbeiten wir mit einem spezialisierten Partner zusammen, um die Wasserstoff-Verbrenner Technologie zügig und effizient auf den Markt zu bringen“, sagt Andreas Gorbach, Mitglied des Vorstands, Daimler Truck, verantwortlich für Truck Technology.

Thomas Korn, CEO und Co-Founder der KEYOU GmbH: „Die Zusammenarbeit mit Daimler Truck ist ein wichtiger Schritt für uns, um unsere KEYOU-inside Technologie in die industrielle Anwendung zu überführen. Gemeinsam können wir die Entwicklung und Skalierung wasserstoffbasierter Antriebslösungen im Nutzfahrzeugbereich deutlich beschleunigen und so einen konkreten Beitrag zur Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs leisten.“

Das Fahrzeug und der Vertrieb

Unter der getroffenen Vereinbarung ist geplant, dass Daimler Truck Fahrzeuge vom Typ Mercedes-Benz Actros L 1848 als Sattelzugmaschine und in Mannheim gefertigte Motoren auf Basis der bestehenden 12,8‑Liter‑Motorenplattform an KEYOU verkauft. Das Münchner Unternehmen KEYOU verantwortet die technologische Adaption zu einem wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotor. Der technische Umbau der Lkw sowie die Integration des KEYOU-inside Motors erfolgen durch qualifizierte externe Dienstleister.

Die daraus resultierende Sattelzugmaschine KEYOU HICE.40 ist für den Betrieb mit einem Gesamtfahrzeuggewicht von 40 Tonnen ausgelegt und soll laut KEYOU, dank der 350-Bar-Druckwasserstofftechnologie, eine Reichweite mit einer Tankfüllung von bis zu 650 Kilometern erreichen. Mit einer Leistung von bis zu 350 kW und einem Port Fuel Injection-System (PFI) soll sie eine erprobte und leistungsstarke Lösung für den anspruchsvollen Güterverkehr bieten. Perspektivisch lässt sich die Technologie auch auf weitere Fahrzeugbaureihen übertragen.

KEYOU bietet die Fahrzeuge anschließend ab 2027 Kunden an. Und damit zukünftige Kunden auch den benötigten Wasserstoff zum Betrieb des Fahrzeuges haben, bietet KEYOU auch die entstehende Wasserstoff‑Tankstelleninfrastruktur, die unter anderem durch Förderprogramme des Bundesverkehrsministeriums unterstützt wird, an. So könnte auch die Nachfrage an Wasserstoff und entsprechender Infrastruktur vorangetrieben werden.

Auch Daimler Truck unterstützt den Aufbau von Wasserstoff-Tankstellen, die sowohl gasförmigen als auch flüssigen Wasserstoff abgeben können. So können alle gängigen H2-Formen an einer Station angeboten werden, genauso wie wir es auch bei Benzin und Diesel gewohnt sind. Die Integration erlaubt den Aufbau einer einheitlichen Infrastruktur und senkt dabei die Kosten durch höhere Auslastung.

Heutige Wasserstoff-Verbrennungsmotoren benötigen gasförmigen Wasserstoff. Technisch ist aber auch eine Entwicklung für Flüssigwasserstoff denkbar, wie ihn Daimler Truck bereits in Brennstoffzellen-Lkw einsetzt. Dieser integrierte Ansatz erleichtert Kunden den Einstieg in wasserstoffbasierte Transporte.

Wasserstoff-Verbrennermotor im Einsatz

Der Wasserstoff‑Verbrennungsmotor zeichnet sich durch eine hohe Robustheit, geringere Systemkomplexität im Vergleich zur Brennstoffzelle sowie einem sehr geringen Anpassungsbedarf an bestehende Fahrzeugarchitekturen aus. Zudem ist er besonders für Anwendungen mit hohen Nutzlasten geeignet. Aufgrund des geringen Bauraumbedarfs und der Möglichkeit, vorhandene industrieller Strukturen zu nutzen, kann die Technologie kosteneffizient umgesetzt werden. Lkw mit Brennstoffzellenantrieb oder Wasserstoffverbrennung stellen somit für den Transport eine sinnvolle Ergänzung zu batterieelektrischen Lkw dar.

LKW und BUS

Doch nicht nur einen LKW wird es zukünftig bei KEYOU geben. Nach letzten Informationen von KEYOU ist auch ein Umbau eines Linienbusses ein Thema. So können auch Verkehrsbetriebe ihr Antriebsportfolio um das Thema Wasserstoff-Verbrennermotor erweitern.

„Wir von nextDrive.de werden uns vor Ort in München die Fahrzeuge einmal genauer ansehen. Hierzu gibt es auch schon Termine!“, so Daniels.

Bild und Informationen – Daimler Truck

Text – Achim Daniels #nextDrive.de